Dr. Andre Baumann MdL und Dr. Sandra Detzer MdB besuchen INDRA-Recycling in Hockenheim
Für den Grünen-Landtagsabgeordneten Dr. Andre Baumann war es bereits der zweite Besuch bei den Recyclingspezialisten der INDRA-Recycling GmbH im Hockenheimer Gewerbegebiet Talhaus. Auch Dr. Sandra Detzer, Bundestagsabgeordnete der Grünen und wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, nutzte die Gelegenheit, sich ein Bild von dem Unternehmen zu machen. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Grünen in Hockenheim informierten sich die beiden Politiker über die jüngsten Entwicklungen des Unternehmens und über die Herausforderungen und Chancen der Kreislaufwirtschaft in Baden-Württemberg.

Ralf Boecker, einer der drei Geschäftsführer von INDRA, und Betriebsleiter Mario Lipp begrüßten die Teilnehmenden und machten gleich zu Beginn klar, welche Bedeutung das Unternehmen hat, in dem hauptsächlich metallische Abfallprodukte sortenrein voneinander getrennt und für die weitere Verwendung vorbereitet werden.
„INDRA-Recycling ist ein echtes Vorzeigeunternehmen für nachhaltige Industriepolitik“, sagte Baumann. „Hier wird die Transformation zu einer ressourcenschonenden und klimafreundlichen Wirtschaft tagtäglich umgesetzt. Solche mittelständischen Betriebe sind entscheidend für unsere Rohstoffsouveränität und damit für eine stabile, zukunftsfähige Wirtschaft.“ Die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und die Unabhängigkeit von unzuverlässigen oder ethisch problematischen Rohstoffquellen seien eine der Hauptfragen unserer Zeit.
Das bestätigte auch Sandra Detzer. Sie beschäftigte die Frage, wie mehr Ressourceneffizienz auch betriebswirtschaftlich erfolgreich werden kann. Kreislaufwirtschaft sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern in Zeiten umkämpfter Rohstoffe auch industriepolitisch höchst relevant. Darum sei die Frage entscheidend, welche Rahmenbedingungen Unternehmen für zirkuläre Geschäftsmodelle brauchen.
Technologie, Qualität und Energieeffizienz als Erfolgsfaktoren
Die Antworten auf diese Fragen findet man unter anderem bei INDRA. Hinter der unscheinbaren Mauer an der Talhausstraße verbirgt sich Hightech pur: Das 1993 gegründete Unternehmen verarbeitet jährlich rund 170.000 Tonnen Material, beschäftigt 150 Mitarbeitende und zählt zu den führenden Aufbereitern von Nichteisen-Metallen in Deutschland. Besonders innovativ ist die europaweit einzigartige Anlage zur Trennung von Kunststoffen aus der Automobilindustrie. Mit modernster Sortiertechnik – von Röntgenanalysen über Farbsensoren bis hin zu Induktivitätsmessung – werden wertvolle Rohstoffe hochrein voneinander getrennt. In Zukunft sollen die Abläufe mit Künstlicher Intelligenz sogar noch effizienter werden.

„Sie machen es einfach – und zwar richtig“, lobte Dr. Andre Baumann die hochautomatisierten Prozesse. Auch Dr. Sandra Detzer zeigte sich beeindruckt: „Wir müssen die Kreislaufwirtschaft zur neuen Normalität machen. Unternehmen wie INDRA zeigen, dass Ressourceneffizienz, Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind.“
Neben der technischen Leistungsfähigkeit überzeugte auch das Energie- und Umweltmanagement des Betriebs: Rund 18 Prozent des Strombedarfs werden über eine eigene Photovoltaikanlage gedeckt. Abwärme aus den Produktionsprozessen wird genutzt, um Hallen und Bürogebäude zu beheizen und zwar vollständig. „Das ist gelebte Energieeffizienz – und ein Musterbeispiel für eine nachhaltige Industrieproduktion“, sagte Baumann.
Engagement für Mitarbeitende und Fachkräfte
Wie viele mittelständische Unternehmen spürt auch INDRA den zunehmenden Fachkräftemangel. Geschäftsführer Ralf Boecker berichtete, dass das Unternehmen mit internen Schulungen und Qualifizierungsprogrammen gegensteuert: „Wir bilden unsere Mitarbeitenden gezielt weiter, bieten flexible Arbeitszeiten und übertarifliche Bezahlung. Viele Kolleginnen und Kollegen sind schon seit Jahrzehnten bei uns – das spricht für eine gute Unternehmenskultur.“
Baumann zeigte sich beeindruckt: „Hier sieht man, dass nachhaltige Wirtschaft auch soziale Verantwortung bedeutet. INDRA beweist, dass wirtschaftlicher Erfolg und gute Arbeitsbedingungen zusammengehören.“
Politischer Dialog zu Bürokratieabbau und Flächenerweiterung
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die zunehmende Bürokratie, die viele mittelständische Betriebe belastet. „Wir sind organisatorisch aufgrund der dezidierten Anforderungen der Behörden unheimlich eingespannt und nehmen hierfür umfangreiche Beratungsleistungen ausgewiesener Fachexperten in Anspruch“, berichtete Boecker. Sandra Detzer versprach, die Sorgen ernst zu nehmen: „In Berlin wird oft an die großen Konzerne gedacht, aber gerade die kleinen und mittleren Unternehmen sind das Rückgrat der baden-württembergischen Wirtschaft.“ Und für die muss es klare und möglichst einfache Regeln geben. „Wir müssen darauf achten, dass die Regelwerke praktikabel bleiben und Innovation nicht ausbremsen“, waren sich Baumann und Detzer mit Blick auf die Bundes- und Landespolitik einig.
Auch über die Zukunft des Standorts wurde gesprochen: Seit der Gründung 1993 hat INDRA seine Produktionsanlagen stetig modernisiert, die Fläche aber nie vergrößert. „Wir würden uns sehr gerne erweitern“, so Boecker. „Unsere 25.000 Quadratmeter stoßen inzwischen an ihre Grenzen.“ Der Kauf angrenzender Flächen sei jedoch bisher gescheitert. Baumann zeigte Verständnis: „Unternehmen wie INDRA sichern Arbeitsplätze, investieren in nachhaltige Technologie und leisten einen enormen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Es ist wichtig, dass sie die räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten bekommen, die sie brauchen.“
Ein Unternehmen mit internationaler Strahlkraft
INDRA ist nicht nur in Deutschland, sondern auch international ein gefragter Partner: Das Unternehmen ist in 38 Ländern aktiv, beliefert unter anderem die VW-Gießerei und zählt zu den größten Aufbereitern von Stahlwerksreststoffen in Europa. Mit einem Jahresumsatz von rund 180 Millionen Euro und einem Beitrag von über 20 Millionen Tonnen eingespartem CO₂ in rund zehn Jahren Firmengeschichte zeigt INDRA, dass nachhaltiges Wirtschaften auch ökonomisch erfolgreich sein kann.
„Ich freue mich sehr, so viel Kompetenz in meinem Wahlkreis zu haben“, resümierte Baumann. „INDRA zeigt, wie grüne Industriepolitik in der Praxis aussieht – regional verwurzelt, global vernetzt und mit einem klaren Beitrag zum Klimaschutz.“