Dr. Andre Baumann und Verkehrsminister Winfried Hermann im Eppelheimer Buchladen.

Auf Einladung von Dr. Andre Baumann MdL hat Verkehrsminister Winfried Hermann Eppelheim und Plankstadt besucht

„Ich mag mir gar nicht mehr vorstellen, wie es vor Winfried Hermann in Baden-Württemberg war“, sagt Dr. Andre Baumann, Landtagsabgeordneter der Grünen. „Er ist dienstältester Verkehrsminister in Deutschland und hat in seinen 15 Jahren als grüner Verkehrsminister in Baden-Württemberg die Verkehrspolitik bei uns und in ganz Deutschland verändert. Er hat unter anderem den Ausbau der Radwege, des ÖPNV, die Förderung des Fußverkehrs sowie die Sanierung von Straßen initiiert und maßgeblich vorangebracht.“ Einen politischen und privaten Rückblick auf diese Zeit beschreibt Hermann in seinem Buch „Und alles bleibt anders. Meine kleine Geschichte der Mobilität“. Aus diesem hat er auf Einladung Baumanns vor rund 25 Personen im voll besetzten Eppelheimer Buchladen gelesen.

„Nach dem Krieg wurde die Bahn über Jahrzehnte vernachlässigt. So wurde aus dem Bahnland Deutschland systematisch ein Auto(bahn)land, ein Straßen- und Pkw-Land gemacht“, blickte Hermann, Jahrgang 1952 und Enkel eines Bahnspediteurs, zurück. Er schilderte seine Erfahrungen mit dem Niedergang der Eisenbahn und seine eigene Begeisterung fürs Auto, das ihm als junger Mann vor allem Freiheit und persönlichen Raum verschaffte. „In dieser Zeit dachten wir nicht daran, wie umweltschädlich unser Fahrverhalten war.“ Doch das Bewusstsein über die schädlichen Auswirkungen des CO2-Ausstoßes der Autos auf das Klima und die Auswirkungen der zunehmenden Anzahl der Fahrzeuge auf den Straßen und in den Städten auf Menschen und Natur erlangte Hermann bald, nicht zuletzt danke der Umweltbewegung in den 1970/80er Jahren. Als Politiker orientierte er sich vor allem am Prinzip der Nachhaltigen Mobilität mit dem Ziel, einer Verkehrswende zu klimafreundlicher Mobilität, ob mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem ÖPNV.

Winfried Herman hat aus seinem Buch „Und alles bleibt andres.
Meine kleine Geschichte der Mobilität“ gelesen.

Baumann: „Verkehrsminister auf Bundes- und Landesebene von CDU beziehungsweise CSU haben sich in der Vergangenheit zu sehr auf das Projekt Stuttgart 21 und den Ausbau des Stuttgarter Bahnknotens fokussiert und den bundes- und landesweit viel wichtigeren Bahnknotenpunkt Mannheim vernachlässigt. Auch das hat Verkehrsminister Winfried Hermann geändert.“

Gespräch über geplante Gütertrasse Mannheim-Karlsruhe

Vor der Lesung hatten sich Hermann und Baumann in Eppelheim noch mit den Vertreterinnen der Bürgerinitiative (BI) Plankstadt und des Bündnisses Pro Querspange Alexandra Ulrich und Caren Thoennessen-Knoglinger sowie Eppelheims grünem Gemeinderat Marc Böhmann getroffen, um unter anderem über die geplante Güterbahntrasse von Mannheim nach Karlsruhe zu sprechen. „Nachdem sich Bürgermeister, Abgeordnete, Landrat und BI bei der Planung der Trassenführung gemeinsam erfolgreich dafür eingesetzt haben, dass eine Zerschneidung der Landschaft zwischen Eppelheim und Plankstadt nicht geschieht, gilt es nun, die Tunnellösung so gut wie möglich zu realisieren“, so Baumann. Der Tunnel, der die Trasse von Friedrichsfeld zur A6 führen soll, dürfe nicht unter der Wohnbebauung in Schwetzingen verlaufen, sind sich BI und Baumann einig. Außerdem müsse auch die Lärmsituation in Hockenheim und Neulußheim besser werden als es jetzt der Fall ist. Hermann empfahl, diese Interessen konsequent zu verfolgen.

Ebenso nutzte Baumann nochmals die Gelegenheit, die Dringlichkeit einer direkten Bahnverbindung von Hockenheim über Schwetzingen nach Heidelberg anzugehen: „Die Reisedauer würde sich im Gegensatz zur jetzigen Busverbindung deutlich verkürzen und damit eine echte Verbesserung für Pendler und eine Entlastung des PKW-Verkehrs bedeuten.“ Verkehrsminister Hermann versprach, beide Themen mit nach Stuttgart zu nehmen.

Fahrt mit dem Bürgerbus in Plankstadt

Am Nachmittag desselben Tages hatten Baumann und Hermann zudem den Bürgerbusverein in Plankstadt besucht. Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Waldecker war ebenfalls zugegen. Rolf Hamm, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, sein Kassier Andreas Kistner, Schriftführerin Gaby Wacker und Sigrid Schüller, Assistentin der Geschäftsführung, berichteten dem Verkehrsminister über ihre im Mai 2013 gegründete Initiative. Zudem nutzten der Minister und Baumann die Chance, eine Runde mitzufahren im Bürgerbus. 18 Haltestellen fahren die zwei Sprinter des Bürgerbusvereins an und ersetzen quasi den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Mit rund 11.000 Fahrgästen jährlich sei man einer der stärksten Bürgerbusse in Baden-Württemberg, sagte Sigrid Schüller. „Es geht heute auch darum, einfach mal Danke zu sagen“, betonte Baumann. Eine solche Initiative wie die in Plankstadt sei außergewöhnlich. Auch Hermann bedankte sich: „Wenn es nicht aktive Bürger gibt, die das machen, dann wird daraus nichts. Das ist ein großer Wert.“