Dr. Andre Baumann und die Schwetzinger Grünen besuchen die Hospizgemeinschaft Schwetzingen. Ehrenamtliche Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen als unverzichtbarer Bestandteil einer menschlichen Gesellschaft
Über Sterben und Tod zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Umso wichtiger sind Orte und Menschen, die genau das möglich machen: offen, zugewandt und ohne Berührungsängste. Zur Feier des 30-jährigen Bestehens der Hospizgemeinschaft Schwetzingen konnte der grüne Landtagsabgeordnete Dr. Andre Baumann leider nicht kommen. Stattdessen informierte er sich gemeinsam mit der Vorsitzenden der Grünen Schwetzingen, Angela Leonhardi, und Stadtrat Dr. Michael Rittmann bei der Koordinatorin Kerstin Schleser und Vorstandsmitglied Wolfgang Kritzer über die Arbeit des Vereins, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Sterbe- und Trauerbegleitung.
Seit drei Jahrzehnten begleitet die Hospizgemeinschaft Menschen und ihre Angehörigen in einer besonders schwierigen Lebensphase. Neben der individuellen Sterbebegleitung gehören heute Trauerbegleitung, der offene Trauertreff, Informationsveranstaltungen zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sowie „Letzte-Hilfe-Kurse“ und „Hospiz macht Schule“ zum Angebot, berichtete Kerstin Schleser.
„Die Hospizgemeinschaft leistet etwas, das für unsere Gesellschaft von unschätzbarem Wert ist: Sie schenkt Menschen Zeit, Aufmerksamkeit und Würde, wenn das Leben zu Ende geht“, sagte Baumann. Besonders beeindruckt zeigte er sich vom hohen persönlichen Einsatz der Ehrenamtlichen. Rund 56 Frauen und Männer engagieren sich derzeit in unterschiedlichem Umfang in der Hospizgemeinschaft. Ihr Einsatz geht dabei weit über die reine Begleitung hinaus. Auch Fahrtkosten, Zeit für Fortbildungen und viele andere Aufwendungen werden von den Ehrenamtlichen vielfach selbst getragen.
Die Begleitung sterbender Menschen erfordert eine umfassende Schulung der Ehrenamtlichen
„Wie finden die Ehrenamtlichen zu ihnen?“, erkundigte sich Angela Leonhardi. „Viele Menschen kommen über persönliche Erfahrungen zu uns“, so Schleser. Wer selbst einmal erlebt habe, wie wertvoll Hospizarbeit für eine Familie sein könne, empfehle das Angebot häufig weiter. Auch Informationsabende und die Öffentlichkeitsarbeit trügen dazu bei, dass Menschen von der Hospizgemeinschaft erführen.
Die Begleitung sterbender Menschen sei äußert anspruchsvoll und erfordere eine umfassende Schulung der Ehrenamtlichen, berichtete Wolfgang Kritzer. Rund 140 Stunden umfasse die Qualifizierung der ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und -begleiter einschließlich einer praktischen Phase. Hinzu kommen regelmäßige Gruppenabende, externe Supervisionen und die Möglichkeit, belastende Situationen gemeinsam zu reflektieren. Neue Ehrenamtliche werden zudem von erfahrenen Begleiterinnen und Begleitern im Rahmen eines Patensystems unterstützt.
„Qualität ist uns ausgesprochen wichtig“, erläuterte Koordinatorin Kerstin Schleser. Gerade weil die Begleitung emotional belastend sein könne, seien Supervision und Austausch unverzichtbar. Die Hospizbegleiterinnen und -begleiter übernehmen dabei keine pflegerischen oder hauswirtschaftlichen Aufgaben. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die psychosoziale Begleitung: zuhören, Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und einfach da sein. Die Begleitung erfolge in der Regel über mehrere Monate. Dabei arbeite die Hospizgemeinschaft eng mit den hauptamtlichen Kräften der Pflegedienste und Palliativteams zusammen. Ein wichtiger Grundsatz sei die individuelle Betreuung: In der Regel werde eine ehrenamtliche Begleitperson einer Patientin oder einem Patienten zugeordnet.
Hospizgemeinschaft ist auch auf Spenden und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen
Der Einzugsbereich der Hospizgemeinschaft reicht über Schwetzingen hinaus und umfasst die Gemeinden Brühl, Ketsch, Oftersheim und Plankstadt. Organisatorisch ist sie eine Regionalgruppe der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand e.V. (IGSL-Hospiz e.V.). Neben dem ehrenamtlichen Engagement ist die Hospizgemeinschaft allerdings auch auf Spenden und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Ein Teil der Kosten kann über die Krankenkassen refinanziert werden. Nicht alle Aufwendungen, etwa für Fortbildungen der Ehrenamtlichen, werden dadurch abgedeckt. Auch bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und bei langfristigen Mietverhältnissen steht die Hospizgemeinschaft vor Herausforderungen.
Die Besucher der Grünen waren sich einig: „Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Herzstück der Hospizarbeit. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass diese wertvolle Arbeit auch langfristig gute Bedingungen vorfindet. Dazu gehören finanzielle Unterstützung, geeignete Räume und eine gute Vernetzung vor Ort.“
Niedrigschwelliges Angebot und Enttabuisierung
Ein konkretes Anliegen der Hospizgemeinschaft möchte Stadtrat Michael Rittmann für die anstehenden Haushaltsberatungen mitnehmen und über die grüne Fraktion im Schwetzinger Gemeinderat beantragen: Auf dem Friedhof soll eine Bank entstehen, die als Ort für Gespräche und Begegnungen dienen kann. Damit könnte ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden, um über Abschied, Trauer und Tod ins Gespräch zu kommen.
Auch über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Sterben wurde gesprochen. Begriffe wie „Hospiz“ oder „Palliativ“ seien für viele Menschen noch immer mit Angst und Tod verbunden. Hier müsse eine Enttabuisierung stattfinden. Eine offene und vorurteilsfreie Debatte darüber ist Vorstandsmitglied Wolfgang Kritzer ein großes Anliegen. Die Politik müsse endlich verlässliche Rahmenbedingungen für ein möglichst selbstbestimmtes Lebensende festlegen.
Bei der Hospizarbeit geht vor allem darum, Menschen nicht allein zu lassen. Cicely Saunders, britische Ärztin und Begründerin der modernen Hospizbewegung, fasste das so zusammen: „Es geht nicht darum, dem Leben Tage hinzuzufügen, sondern den Tagen Leben zu geben“. Die Grünen unterstützen diese Arbeit auf ganzer Linie. Baumann ermutigte die Verantwortlichen zugleich, bei politischen Anliegen, Fragen zu Fördermöglichkeiten oder bei der Suche nach geeigneten Räumen frühzeitig auf ihn zuzukommen: „Wo wir politisch unterstützen, bei Anträgen helfen oder Türen öffnen können, sollten wir das tun. Die Hospizgemeinschaft leistet seit 30 Jahren einen unverzichtbaren Beitrag für die Menschen in unserer Region. Dafür gilt allen haupt- und ehrenamtlich Engagierten mein herzlicher Dank.“