Viel Zuspruch in Schwetzingen: Vortrag und Diskussion mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras MdL und Dr. Andre Baumann MdL
„Verantwortung und Offenheit für andere stehen für mich am Anfang jeglicher Suche nach Heimat“, sagte Landtagspräsidentin Muhterem Aras MdL in Schwetzingen. Der Landtagsabgeordnete der Grünen Dr. Andre Baumann MdL hatte sie eingeladen, bei der Veranstaltung „Mein Land, meine Heimat, meine Verantwortung: Wie gelingt ein gutes Zusammenleben?“ zu referieren. Mit mehr als 40 interessierten Menschen im Publikum war der Saal in der AWO-Begegnungsstätte fast voll besetzt. Darunter waren auch mehrere Stadträtinnen und Stadträte verschiedener Parteien aus Schwetzingen und Umgebung. Die an den Vortrag anschließende Möglichkeit einer Frage- und Diskussionsrunde nutzten die Anwesenden rege.
„Heimat ist für mich eine Gesellschaft, in der Menschen einander verstehen und füreinander einstehen“, so Aras weiter. „Heimat entsteht dort, wo man in Unterschiedlichkeit Gemeinsamkeit findet. Heimat ist kein Ort der Abgrenzung, sondern ein Raum der Zugehörigkeit und Verbundenheit. Unser deutsches Grundgesetz ist auf diese Vielfalt angelegt.“

Muhterem Aras sei nicht nur die erste Frau des Landes Baden-Württemberg, so Baumann, sie sei auch stets die erste, die dieses Grundgesetz verteidige. „Muhterem Aras ist eine Verfassungspatriotin und findet stets deutliche Worte, wenn andere sagen, die Würde des Menschen sei doch antastbar“, sagte Baumann. „Es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft, dass wir es den Menschen in unserem Land ermöglichen, alles zu erreichen, was sie möchten – egal, wo sie herkommen, welche Hautfarbe, Religion oder welches Geschlecht sie haben. Und ich bin sehr stolz, Abgeordneter eines Landtags zu sein mit Muhterem Aras an der Spitze. Denn sie verkörpert mit ihrem Werdegang genau das.“
Ehrenamt und Vereine als Möglichkeiten der Begegnung
Muhterem Aras, seit 2011 Mitglied der Landtagsfraktion der Grünen und seit 2016 Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, ist im Alter von zwölf Jahren 1978 mit ihren Eltern aus einem Dorf in Ostanatolien nach Filderstadt bei Stuttgart ausgewandert. „Ich hatte doppelt Glück“, sagte sie. „Einerseits wegen der Offenheit meiner Eltern für die deutsche Gesellschaft. Andererseits, weil wir auf eine Gesellschaft trafen, die ihrerseits offen war und zugewandt.“ Sie sei sehr dankbar für diese Heimat Deutschland mit einer der fortschrittlichsten Verfassungen der Welt, die allen Menschen in Deutschland Würde, Freiheit und Sicherheit garantiere, so Aras. „Unser Grundgesetz und unsere Demokratie wurden aus den Trümmern der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft erbaut. Heute sind wir eines der freiheitlichsten, friedlichsten, demokratischsten und wohlhabendsten Länder dieser Erde. Auf diese unglaubliche demokratische Gemeinschaftsleistung können und sollten wir sehr stolz sein.“

Landtagspräsidentin Muhterem Aras MdL und Dr. Andre Baumann MdL.
Es sei an uns allen, diese demokratische Heimat, dieses Deutschland gegen Verfassungsfeinde zu verteidigen, so Aras weiter. „Unsere Demokratie ist nicht perfekt. Sie bedeutet Arbeit und ja, das kann anstrengend sein. Aber sie ist auch ein Versprechen, dass wir nie ohnmächtig sind, dass wir handeln können. Wir alle bestimmen über die Zukunft unserer demokratischen Heimat: Ob wir an der Wahlurne unser Kreuz bei einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei setzen, ob wir in den sozialen Medien oder bei Familienfeiern Falschmeldungen teilen, ob wir Menschen in Schubladen stecken, bevor wir uns eine belastbare Meinung gebildet haben, oder ob wir uns in einem Ehrenamt, in einem Verein engagieren, ob wir zuhören und verstehen, bevor wir urteilen und handeln.“
Der weltweite Aufstieg von populistischen, libertären und rechtsextremen Kräften sei deshalb keine Naturgewalt, kein Automatismus, so Aras: „Wir haben die Wahl und die Mittel, um die Demokratie zu verteidigen. Wenn wir zusammenstehen, können wir wirklich etwas bewegen. Erheben wir also unsere Stimme für die Freiheit, für die Werte unseres wunderbaren Grundgesetzes. Denn nur die Demokratie baut Verständnisbrücken, die wir in Zeiten der Umbrüche dringend brauchen.“