Dr. Andre Baumann MdL ist einen Vormittag lang auf einem Sammelfahrzeug der AVR Kommunal AöR, des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers für den Rhein-Neckar-Kreis, in Schwetzingen mitgefahren – und hat kräftig mitangepackt.

Dr. Andre Baumann MdL ist auf einem Sammelfahrzeug der AVR Kommunal AöR in Schwetzingen mitgefahren und hat als Müllwerker gearbeitet

„Nach etwa einer Stunde hatte ich das drauf“, erzählte Dr. Andre Baumann. Es sei schließlich gar nicht so einfach, so der Landtagsabgeordnete der Grünen, die Restmülltonnen so vor dem Müllfahrzeug zu platzieren, dass der Chip an der Tonne vom Lesegerät am Fahrzeug ausgelesen wird. Aber nur, wenn das geschieht, wird der Hebemechanismus ausgelöst, die Tonne nach oben katapultiert und der Inhalt in den sogenannten Schüttraum des Fahrzeugs geleert. Im Rahmen seiner Sommertour ist Baumann, der ebenfalls Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium ist, einen Vormittag lang auf einem Sammelfahrzeug der AVR Kommunal AöR, des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers für den Rhein-Neckar-Kreis, in Schwetzingen mitgefahren – und hat kräftig mitangepackt. Das Fahrzeug sei eines von zweien in der Flotte, die mit Wasserstoff betrieben würden und somit deutlich leiser unterwegs seien als Verbrenner, informierte AVR-Pressesprecher Tim Heringer. „Wir haben zudem zwei Elektrofahrzeuge im Einsatz.“

Baumann: „Ich bin seit mehr als zehn Jahren als Staatssekretär auch für die Kreislaufwirtschaft im Land zuständig. Ich wollte schon seit langem gerne mal persönlich bei der Müllabfuhr mitfahren, um meinen Respekt gegenüber den Menschen zu zeigen, die täglich diese so wichtige Arbeit verrichten und unseren Müll entsorgen, – und um mal direkt Danke zu sagen.“ Bedanken konnte sich Baumann an diesem Tag bei seinen Arbeitskollegen Stefan Kohler, der das Müllfahrzeug fuhr, und Noah Smykalla, der als Lader gemeinsam mit Baumann die Tonnen leerte – stellvertretend für die über 400 Mitarbeitenden der AVR, die mit insgesamt 100 Fahrzeugen im gesamten Rhein-Neckar-Kreis unterwegs sind, sowie die gesamte Belegschaft. „Die Müllwerker leisten einen unverzichtbaren Job für unsere Gesellschaft“, so Baumann. „Jeden Tag sind sie unterwegs, bei Hitze, bei Regen, bei Schnee. Und auch während der Coronakrise konnten wir uns darauf verlassen, dass unser Müll zuverlässig abgeholt wurde.“

Kreislaufwirtschaft wichtig für unser Wirtschaftssystem

Ohne die Kreislaufwirtschaft ließe sich das Wirtschaftssystem in Deutschland nicht organisieren, so Baumann. Und damit diese funktioniere, sei nicht nur die Müllabfuhr wichtig, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger spielten eine wichtige Rolle. „Ich bitte Sie, Ihren Müll immer gescheit zu sortieren“, appellierte Baumann. „In den Restmüll gehört nur, was wirklich entsorgt werden muss und thermisch verwertet werden kann.“ Beispielsweise auf der Friesenheimer Insel in Mannheim entstünde in der Müllverbrennungsanlage aus dem Restmüll Fernwärme für viele Haushalte. In die Grüne Tonne plus gehören alle Verpackungen und sonstige verwertbare Gegenstände aus Kunststoff, Metall, Papier, Pappe und Kartonagen, damit sie recycelt werden können.

Besonders gefreut hat sich Dr. Andre Baumann MdL über die vielen Menschen,
vor allem Kinder, die seinen Müllwerker-Kollegen und ihm zugewunken haben.

Und wer Biomüll wie vorgesehen in der braunen Bio-Energie-Tonne entsorge, helfe sogar dabei, Deutschland noch energieautarker zu machen, so Baumann weiter: „Aus dem Biomüll entsteht etwa in der Bioabfall-Vergärungsanlage in Sinsheim Biogas, das uns unabhängiger macht von ausländischen Gaslieferanten.“ Die Biogasstrategie des Landes Baden-Württemberg ziele darauf ab, dass der Biogasanteil aus solchen Anlagen steige. Das Ziel bis 2030: Der Anteil des Biomülls, der noch in der Restmülltonne landet, soll halbiert werden. Aktuell läge der Anteil von Biomüll im Restmüll noch bei circa 40 Prozent. „Wer seinen Müll richtig trennt, schützt nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Geld“, sagte Baumann. Schließlich zahlten die Bürgerinnen und Bürger neben der Grundgebühr nur für die Restmülltonne eine extra Abholgebühr. Je seltener diese also voll wird, desto günstiger ist es.

Lithium-Batterien unbedingt ordnungsgemäß in Recyclinganlagen entsorgen

Wird der Müll nicht richtig getrennt, kann das für die Müllwerker sogar gefährlich werden. „In Deutschland brennt fast jeden Tag ein Müllfahrzeug“, berichtete Baumann. „Meistens werden diese Brände durch Lithium-Batterien verursacht.“ Diese gehörten auf keinen Fall in den Restmüll, sondern sollten bei Recyclinganlagen abgegeben werden. „Sie nicht ordnungsgemäß zu entsorgen ist nicht nur gefährlich, es wird auf diese Weise auch ein wertvoller Rohstoff vergeudet“, gab Baumann zu bedenken. Seiner Ansicht nach ist es ratsam, auf Produkte wie die sogenannten Einweg-Vapes, also Einweg-E-Zigaretten, komplett zu verzichten. „Sieben Lithium-Einweg-Vapes brauchen so viel Lithium wie ein Smartphone-Akku.“

Ein bisschen erfüllte sich Baumann an diesem Tag mit seinem Einsatz als Aushilfsmüllwerker auch einen Kindheitstraum. „Die Müllmänner waren die Helden meiner Kindheit“, bekannte er. So wie ihm erging es wohl vielen Kindern – und ergeht es heutzutage immer noch: „Das Tollste waren für mich die Kinder, die heute am Straßenrand oder am Fenster standen und uns zugesehen und gewunken haben“, freute sich Baumann.